Hamburg News: Hafen und Logistik - Shipping-Container-Schiff - © HMG www.mediaserver.de Christian Spahrbier
Christi Degen: Eine Kammer für alle  - © Handelskammer Hamburg/Bertold Fabricius

Christi Degen: Diese Themen wollen wir voranbringen

Kammergeschäftsführerin Christi Degen in den Hamburg News über die vier strategischen Themenfelder, die bis 2020 im Fokus stehen

Seit dem 8. Dezember ist Christi Degen Hauptgeschäftsführerin der Handelskammer Hamburg. Sie folgte damit Hans-Jörg Schmidt-Trenz, der das Amt mehr als 21 Jahre innehatte. Sie kommt in bewegten Zeiten. Digitalisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit sind Herausforderungen, denen sich alle Kammerstandorte stellen müssen. In Hamburg setzt Präses Tobias Bergmann, seit April 2017 im Amt, mit seinem als Kammerrebellen bekannten Bündnis „Die Kammer sind Wir!“ besondere Akzente. Größere Mitbestimmung und Transparenz, Effizienzsteigerung sowie ein umsichtiger Umgang mit Ressourcen sind nur einige Ziele der neuen Kammerführung.

Hamburg News: Frau Degen, rund fünf Monate als Hauptgeschäftsführerin der Handelskammer Hamburg liegen hinter Ihnen – ein erstes Fazit?

Christi Degen: Mein Fazit fällt sehr gut aus, es ist eine intensive und spannende Zeit. Von den Unternehmen Hamburgs bin ich offen aufgenommen worden und habe einen guten Eindruck von der Vielfältigkeit der Wirtschaft am Standort gewonnen. Die Strategieentwicklung und -umsetzung für die Kammer selbst ist eine bedeutsame und auch hochinteressante Aufgabe und bin zuversichtlich, dass sich die Geschicke der Kammer in gute Bahnen lenken lassen.

Hamburg News: Die neue Führung der Handelskammer unter Präses Tobias Bergmann ist auch noch relativ frisch im Amt: Wohin geht die Reise?

Christi Degen: Die Handelskammer Hamburg soll eine Kammer für alle Mitglieder sein – und eine starke Stimme der Hamburger Wirtschaft. Dazu gehört die politische Schlagkraft, mit der die Kammer relevante Themen vorantreibt ebenso wie eine modernisierte Organisation. Letztere entsteht gerade durch einen Reorganisationsprozess, der die Kammer stärker prozessorientiert ausrichten und noch stärker das Mitglied in den Mittelpunkt stellen wird.

Zudem sollen die Mitgliedsunternehmen in den Ausschüssen und darüber hinaus stärker in die politische Meinungsfindung eingebunden sowie die digital angebotenen Leistungen auch und gerade für kleine Unternehmen ausgebaut werden. Diese Leistungen müssen dann auch kommunikativ besser wahrnehmbar werden. Das gilt auch für die Leistungen im Bereich der politischen Interessensvertretung – hier wollen wir auch die großen Unternehmen davon überzeugen, dass sie von ihrer Handelskammer nach wie vor gut vertreten werden.

Hamburg News: Das Bündnis „Die Kammer sind Wir!“ hatte bei den Wahlen zum Plenum der Handelskammer Anfang letzten Jahres 55 der 58 Sitze errungen. Viele Vertreter großer und traditionsreicher Firmen mussten ihre Plätze zu Gunsten von kleinen Betrieben räumen. Wie holen Sie die Großen zurück ins Boot?

Christi Degen: Wir führen zum einen viele Gespräche, zum anderen geschieht die Annäherung zwischen großen und kleinen Unternehmen in unseren 34 Ausschüssen, in denen die Zusammenarbeit an Sachthemen gut funktioniert. Hier gibt es auch zusätzlich zu den neuen Ausschussmitgliedern viel personelle Kontinuität. Die Ausschüsse sollen in Zukunft eine noch stärkere Rolle einnehmen und in ihrer Bedeutung noch sichtbarer werden. Sie sind die Brennstoffzellen der Kammerarbeit, hier werden Fachthemen behandelt, Lösungsansätze entwickelt und Projekte aufgesetzt – die Initialzündung für Positionspapiere kommt immer aus den Ausschüssen.

Hamburg News: Gibt es Bereiche, in denen Sie vor allem Handlungsbedarf sehen?

Christi Degen: Ich sehe vor allem vier strategische Themenfelder, in denen die Kammer Projekte für die nächsten zwei Jahre auf den Weg bringen wird. Da ist zum einen die Infrastruktur – dieser Themenbereich reicht vom Hafen bis zu Verkehrslösungen. Zum Beispiel wird der ITS-Weltkongress dabei helfen, neue Ideen und Projekte anzustoßen.

Für viele Mitgliedsunternehmen ist zudem das Thema Fachkräfte von großer Bedeutung. Der wichtigste Hebel, um hier etwas für unsere Mitgliedsunternehmen zu erreichen, ist und bleibt die Duale Ausbildung. Sie soll für beide Seiten – Unternehmen und Azubis – noch attraktiver werden, denn sie ist ein echter Standortvorteil Deutschlands in der Welt. Deshalb hat das Handelskammer-Präsidium eine Task Force zur Stärkung der beruflichen Bildung ins Leben gerufen. Auch von der intelligenten Kombination der Ausbildung mit akademischen Bildungsangeboten versprechen ich mir viel.

Hamburg News: Infrastruktur und Ausbildung sind zwei Felder, bleiben noch zwei weitere…

Christi Degen: Das große Feld Digitalisierung, Wissenschaft und Innovationen beschäftigt die Handelskammer natürlich. Hier braucht es eine verstärkte Vernetzung von Hochschulen und innovativen Unternehmen. Und der Mittelstand braucht stärkere Unterstützung bei der digitalen Transformation. Schließlich spielt in Hamburg traditionell die Internationalisierung eine große Rolle.

Das Handelskammer-Ehrenamt, mein Team und ich haben viel vor, um den globalen Handel weiter zu stärken. Unsere Hamburg-Vertretungen im Ausland, ob in Dubai oder Shanghai, sowie die HamburgAmbassadors als Teil unseres internationalen Netzwerks, leisten hier schon sehr gute Arbeit. Und diese Arbeit wollen wir beispielsweise durch neue digitale Angebote unterstützten. Und schließlich streben wir eine stärkere regionale Zusammenarbeit an, die in einer globalisierten Welt immer wichtiger wird. Hamburg und Kopenhagen sind dabei geborene Partner.

Hamburg News: Liebe Frau Degen, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Yvonne Scheller

Christi Degen

Christi Degen, Jahrgang 1964 und studierte Volkswirtin, war bis 2013 Geschäftsführerin in der IHK Köln und danach Geschäftsführerin der F.A.Z. Executive School, einer Tochterunternehmung der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Im August 2014 wurde sie Hauptgeschäftsführerin der IHK Oberfranken in Bayreuth. Das blieb sie bis zum April 2017. Seit dem 8. Dezember 2017 führt sie nun als Hauptgeschäftsführerin die Geschicke der Handelskammer Hamburg. Dem Transparenzversprechen des Plenums entsprechend, ist ihr Gehalt kein Geheimnis. Es liegt bei 192.000 Euro pro Jahr
Weitere Informationen unter:
www.hk24.de

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