Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
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Hanse Digital - Vertrauensplattform auf Basis der Blockchain

Zukunftstechnologie als Schlüssel zur Transformation eines Traditionsnetzwerks: Wie führende Hamburger Wirtschaftsvertreter die „Hanse 4.0“ zum Leben erwecken

Sie soll eine Antwort sein auf die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung, der Disruption. Vertrauen und traditionelle westliche Werte sollen die Basis sein. Führende Hamburger Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft haben sich zusammengefunden, um eine technische Basis für die Idee der Hanse Digital zu schaffen. Herausgekommen ist, vereinfacht gesagt, der Prototyp für eine Art Vertrauensplattform für den Handel. Die Idee reicht aber weit darüber hinaus.

Teilnehmer der Plattform verpflichten sich zur Einhaltung gemeinsamer – traditionell hanseatischer – Werte. Für mehr Demokratie und fairen Frei-Handel in Europa und der Welt. Diese ‚Graswurzel-Bewegung nachhaltiger Wirtschaft’ könne in Hamburg ihren Anfang nehmen, so die Initiatoren.

Die Digitalisierung ist der Treiber, die Blockchain die Basis-Technologie zur Umsetzung der Hanse Digital, erläutern die Initiatoren Dr. Sebastian Saxe, Chief Digital Officer (CDO) der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) und CDO der Hamburg Port Authority (HPA), und Dr. Uve Samuels, Geschäftsführer der HSBA Hamburg School of Business Administration und des Square Innovation Hub, die Vision der Hanse 4.0 und ihre Pläne zur Umsetzung. Hamburg News haben nachgefragt.

Uve Samuels (HSBA) und Sebastian Saxe (HPA)

Hamburg News: Was genau ist die Idee der Hanse Digital?

Sebastian Saxe: Wir schaffen ein digitales Framework, das den Wirtschaftsraum Europa mit seinen Werten erhält und stärkt und dazu die Tradition der alten Hanse, den fairen Handel, aufgreift.

Uve Samuels: Wir entwickeln eine Plattform, auf der Unternehmen transparent darstellen können, zu welchen Werten, Markt- und Gesellschaftsvorstellungen sie sich bekennen, und welchen Beitrag sie dazu leisten.

Hamburg News: Was heißt das konkret bezogen auf die Plattform?

Samuels: Bei der Hanse war es so, dass die Handelstreibenden sich auf Regeln verständigt haben, nach denen sie in Austausch treten konnten – und das hat zu Wohlstand in allen beteiligten Städten geführt. Auch heute geht es um verlässliche Rahmenbedingungen, zu denen in Europa der Austausch von Waren und Dienstleistungen erfolgt, der auf unsere Werte- und Moralvorstellungen einzahlt wie Sozialstaat, Umweltstandards und andere mehr, damit wir diese in Europa erhalten können.

Saxe: Gleichzeitig werden die traditionellen Werte des Ehrbaren Kaufmanns gespiegelt an der Digitalisierung und dem Megatrend Nachhaltigkeit. Durch das Bekenntnis zu diesen Werten fördern wir gesellschaftlichen Zusammenhalt, Sicherheit und Verlässlichkeit.

Hamburg News: Warum sollte die Hanse Digital gerade jetzt entstehen?

Saxe: Die Digitalisierung ruft Disruptionen hervor – zum Beispiel in der Schifffahrt. Auch Plattformen wie Google und Amazon sorgen für erhebliche Unruhe in der Supplychain. So ähnlich passiert es auch im Handel. Wir wollen Werte dagegensetzen, eine Antwort finden auf diese Herausforderung. Die Antwort der Digitalen Hanse ist stark, weil sie auf Traditionen gründet und das Wissen der Vergangenheit in die Zukunft transportiert. Herkunft ist Zukunft.

Samuels: Wenn wir einen Wirtschaftsraum schaffen wollen, der auch skalierbar ist, müssen wir über die Grenzen Deutschlands hinausdenken. Wir müssen die Energie dieser Idee jetzt für Europa nutzen.

Saxe: Wir denken in der Dimension der Region der damaligen Hanse, die bis zu 200 Städte umfasste. Die derzeitige Jugendbewegung um Fridays for Future zeigt, dass man sich mit der Welt und der Veränderung auseinandersetzt. Man kann eine ähnliche Bewegung erzeugen.

Hamburg News: Wer konkret steht bisher hinter dem Projekt?

Saxe: Unser Plan ist, das Große vor Augen klein anzufangen. Wir sind dabei, mit Unterstützern und Befürwortern der Idee in Workshops an der Umsetzung zu arbeiten. Wir sind dabei, Politiker und Wirtschaft dafür zu begeistern und erleben ausschließlich großen Zuspruch. Wir sprechen mit Senat, Politikern, Parteien und Wirtschaftsvertretern, dem Ehrbaren Kaufmann und Verbänden, mit der Otto-Group, mit Visible (Wer liefert was GmbH) und anderen. Wir sprechen alle an, die ein Interesse daran haben, ihre Tradition mit der modernen Technik der Digitalisierung zu verbinden. Es ist eine Reise in eine Zukunft, die nicht hundertprozentig determinierbar ist. Im Silicon Valley ist das ganz normal, auch wir werden uns daran gewöhnen müssen.

Samuels: Der Unterstützerkreis wächst. Die HSBA hat rund 250 Mitgliedsfirmen, die potenziell sofort mitmachen können. Unternehmer schicken ihre besten Entwickler, denn die Lösung ist stark technologiegetrieben. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung eines Prototypen für die Plattform.

Blockchain in der Energiewirtschaft

Hamburg News: Blickt man in die USA und nach China könnte man meinen, es ist bereits etwas spät?

Samuels: Ja, es ist schon 5 nach 12, daher müssen wir anfangen. Auch das ist hanseatisch. Wir machen. Wir erleben derzeit eine Revolution des Internets; es wird gerade neu erfunden. Durch die Blockchain wird das Internet dezentralisiert. Wir können die Zukunft heute mehr gestalten denn je.

Hamburg News: Warum sollten Unternehmen bei der Digitalen Hanse mitmachen?

Samuels: Bei der Vertrauensplattform werden die Angaben der Anbieter überprüft: zahlen die Unternehmen Steuern? halten sie sich an Umweltstandards? tragen sie zu unserem Sozialsystem bei? Wie gehen sie mit den Daten der Menschen um, sorgen sie dafür, dass die Datenhoheit bei den Nutzern bleibt? Dazu dient ein intelligenter Algorithmus auf Basis der Blockchain-Technologie. Er ermöglicht Bewertung und Verifikation. Es wird eine Art Wertesiegel für die Unternehmen geben, digital, aber auch physisch, ein USP für die Anbieter. Ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Saxe: Es sollte aber nicht nur jedes Unternehmen mitmachen, sondern auch jeder Bürger, indem er dort Waren bezieht. Waren, die mit Werten aufgeladen sind. Der Ehrbare Kaufmann ist ehrbar, genauso wie die Hanse Werte hat. Heutzutage kann man auf Plattformen Bewertungen faken. Mit der Blockchain wird das nicht mehr möglich sein. Wir versuchen, Vertrauen technisch abzubilden – das ist die Idee des digitalen Handschlags. Ein intelligenter Algorithmus wird unsere Werte abbilden.

Hamburg News: Warum sollte oder kann die digitale Hanse von Hamburg ausgehen?

Samuels: Hamburg ist eine Region, die wirtschaftliche Kraft hat und auch Signalwirkung aussenden kann. Mit einer offenen Haltung als Tor zur Welt ist sie auch in der Lage, mit anderen in den Dialog zu treten.

Saxe: Hamburg ist eine Stadt, die immer bereit war, auch radikale Änderungen umzusetzen. Es geht darum, Zukunftstechnologien so zu gestalten, dass sie uns auch nützen. Dazu gehört Mut. Mut und die Bereitschaft zur Veränderung. Das ist Hanseaten, Hamburgern, nicht fern.

Samuels: Wir haben zudem eine starke Blockchain-Szene und wir haben die digitalen Plattformen wie Otto oder Visible, die besonders im Wettbewerb stehen und mit denen wir diese Herausforderungen sehr gut annehmen können.

Hamburg News: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Karolin Köcher

Führende Vertreter der Wirtschaft unterstützen die Idee der Hanse Digital. Lesen Sie dazu in Kürze das Interview mit Dr. Michael Müller-Wünsch, Bereichsvorstand Technology bei Otto zum Thema Daten-Minimalismus.
kk/js

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