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Stefan Richter, Mitgründer von Freiheit.com © Stefan Richter, Freiheit.com

Künstliche Intelligenz: Der mit dem Auto spricht

Stefan Richter von Freiheit.com ist überzeugt: Uns erwarten atemberaubende technologische Veränderungen. Welche das sein könnten, beleuchtet Teil 4 unserer KI-SERIE

Es geht voran. Die Bundesregierung will mit ihrer KI-Strategie die deutsche Wirtschaft zukunftsfähig aufstellen und eine Studie des Digitalverbands Bitkom hat ergeben, dass die Mehrheit der Bundesbürger inzwischen vor allem Chancen statt Risiken beim Einsatz künstlicher Intelligenz sieht. „Künstliche Intelligenz ist die wichtigste Schlüsseltechnologie der kommenden Jahrzehnte. Für die Wirtschaft bedeutet KI eine neue Stunde null. Es muss uns gelingen, die vielfältigen Chancen der KI für alle Lebensbereiche nutzbar zu machen – von der Medizin über die Mobilität bis zur Bildung“, betont auch Bitkom-Präsident Achim Berg. Bislang wurde bei der Entwicklung dieser Schlüsseltechnologie vor allem gen USA geschaut, dabei gibt es eine Reihe sehr aktiver Deutscher – und Hamburger – Unternehmen, die technologische Innovationen vorantreiben. Dies ist bereits der vierte Beitrag im Rahmen der Hamburg News-Serie: Künstliche Intelligenz.

Digitalprodukte aus St. Pauli

Online einkaufen, mit seinem Auto sprechen oder die große Liebe finden – die Software für viele solcher Anwendungen kommt aus St. Pauli, von Freiheit.com technologies. Das Unternehmen entwickelt Digitalprodukte, gestaltet in enger Zusammenarbeit mit seinen Kunden neue Geschäftsmodelle oder unterstützt sie bei der digitalen Transformation. 1999 von Claudia Dietze und Stefan Richter gegründet, arbeiten heute mehr als hundert Informatiker, Physiker, Mathematiker und Kaufleute an der „Gestaltung der Zukunft“, wie Richter es nennt.

Es ging uns noch nie so gut wie heute

„Ich bin davon überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren atemberaubende technologische Veränderungen erleben werden“, betont der 52-Jährige, und es ist ihm anzumerken, wie sehr er sich auf diese Zukunft freut. Richter belegt seine Begeisterung mit einem Blick in die Vergangenheit. „Alle Parameter zeigen, dass es uns weltweit im Laufe der Zeit immer besser gegangen ist. Die Menschen leben länger, die Zahl der Toten aufgrund von Krieg, Gewalt und Krankheiten ist ebenso zurückgegangen wie die Armut – und das ist vor allem eine Folge der technologischen Entwicklung.“

Mehr Produktivität, mehr Wohlstand und mehr Gerechtigkeit dank KI

Als maßgeblichen Treiber einer positiven Zukunft sieht Richter die Künstliche Intelligenz. „KI fungiert als neuer Hebel, mit dem die Menschheit mehr Wohlstand und mehr Gerechtigkeit erzeugen kann – durch mehr Produktivität.“ Und die bräuchten wir unbedingt. „Vor allem in den Wohlstandsregionen, wo wir es mit sinkenden Geburtenraten zu tun haben. Wie sollen sonst weniger Menschen mehr Wohlstand erarbeiten?“ Das sei nur durch Digitalisierung, Automatisierung und KI möglich. Die für KI benötigten Daten generiere moderne Software heute schon quasi als Nebenprodukt und auch die Umwandlung von Big Data in Smart Data funktioniere immer besser. „Wirtschaft ist – und war schon immer – ein komplexes System. Doch mit einer wachsenden und gut strukturierten Datenmenge lässt sich der digitale Wandel für alle besser gestalten“, so Richter.

Künstliche Erweiterung des Gehirns

Aktuell arbeitet Freiheit.com etwa für Daimler und VW am Thema Connected Car oder für die Reederei Hamburg Süd/Maersk an einem Machine-Learning-Projekt. Im Rahmen von 'Predictive Maintenance’ erkennt das intelligente System auf Basis von Leistungs- und Temperaturkurven frühzeitig, wann Defekte in den Kühlcontainern drohen.

Sehr gerne würde Richter ein Projekt zur künstlichen Erweiterung des Gehirns in Angriff nehmen. Dies sei im Grunde nur ein logischer nächster Schritt unserer sozialen Evolution, aber ein sehr faszinierender. „Wir sind heute schon mit anderen Menschen auf der ganzen Welt vernetzt und haben Zugang zu Wissen und Informationen wie nie zuvor. Die Integration von Technologie in unseren Körpern ist nur eine andere Art der Vernetzung.“

Mitarbeiter aus aller Welt

Um Entwicklungen wie diese voranzutreiben, haben Richter und Dietze ursprünglich Freiheit.com gegründet. Claudia Dietze ist für den kaufmännischen Bereich verantwortlich, während Richter das Coden übernimmt. „Ich wollte immer schon programmieren und mit anderen, die meine Leidenschaft teilen, an Projekten arbeiten, die unsere Welt besser machen.“ Ein Ansatz, der dem Hamburger Unternehmen beim Recruiting hilft.

Sinnstiftende Arbeit steht gerade bei Digital Natives hoch im Kurs. Und: „Die richtig guten Leute gehen dahin, wo sie am meisten lernen können. Inzwischen haben wir tolle Mitarbeiter aus aller Welt.” Nur die Spanier und Portugiesen seien nicht leicht aus ihrer Heimat fortzulocken. „Also haben wir vor Kurzem ein eigenes Office in Lissabon eröffnet.“ Das Wetter habe allerdings auch eine Rolle gespielt, verrät Richter. „Wir lieben Hamburg, aber wir haben schon immer gesagt, wenn wir ins Ausland gehen, dann irgendwohin, wo das Wetter besser ist.“
ys/sb

Quelle und weitere Informationen
www.freiheit.com

Lesen Sie auch die übrigen Teile unserer KI-Serie:
Teil 1: Künstliche Intelligenz: Revolution oder Hype?
Teil 2: jung diagnostics: Algorithmen zur MRT-Bildanalyse
Teil 3: Kollege Roboter – bald schon beliebtes Teammitglied?

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