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Künstliche Intelligenz kann nicht denken, sie ist ein Werkzeug! - © Körber-Stiftung/Claudia Höhne

Künstliche Intelligenz: Revolution oder Hype?

Sicher scheint: Künstliche Intelligenz wird unsere Arbeitswelt radikal verändern. Hamburg News beleuchten das Thema in einer Serie. Teil 1: die Debatte

Deutschland soll weltweit Spitzenreiter im Bereich Künstlicher Intelligenz werden. Die Bundesregierung hat dazu Mitte November ihre Strategie Künstliche Intelligenz vorgestellt mit dem Ziel, „Made in Germany“ auch in diesem Feld zum Markenzeichen zu machen. Dies sei für die Frage, wie Deutschland in Zukunft arbeiten und produzieren werde, von entscheidender Bedeutung. „Ich freue mich, dass wir bis 2025 drei Milliarden Euro seitens des Bundes zur Verfügung stellen können“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz zur Klausurtagung des Bundeskabinetts zum Thema Digitalisierung. Die Bundesregierung geht davon aus, dass private Investitionen in gleicher Höhe hinzukämen, so dass insgesamt sechs Milliarden Euro zusätzlich investiert würden. Das Geld soll vor allem in die Forschung fließen, allein hundert neue Professuren sind geplant.

Ein Blick in die Geschichte: Turingtest – Deep Blue – Watson – AlphaGo

Ein Blick in die Geschichte zeigt, bislang sind es vor allem Großbritannien und die USA, die Meilensteine im Bereich KI hervorgebracht haben. So hat bereits 1950 der britische Mathematiker Alan Turing mit dem „Turing-Test“, eine erste Definition für Künstliche Intelligenz entwickelt: Wenn eine Computerantwort nicht mehr von der eines Menschen zu unterscheiden sei, dann sei der Computer intelligent zu nennen. 1994 besiegte der von IBM entwickelte Schachcomputer Deep Blue Schachweltmeister Garri Kasparow, 2011 gewann Watson (ebenfalls von IBM) in der Quizshow Jeopardy und 2015 schlug das von Google DeepMind entwickelte Computerprogramm AlphaGo den Go-Meister Fan Hui. Ist die technologische Entwicklung nun also so weit vorangeschritten, dass sie den Menschen in allen Bereichen übertrifft?

Der wissenschaftliche Blick: Hamburger Horizonte

Mit dieser Frage beschäftigte sich auch das Panel „Das überflüssige Ich – Künstliche Intelligenz, Robotik und die Zukunft der Arbeit“ bei den diesjährigen Hamburger Horizonten am 23. November im KörberForum. Denn obwohl KI nichts grundsätzlich Neues ist, scheint nun die Zeit reif für einen gravierenden Wandel. Die verfügbare Rechnerleistung hat sich massiv erhöht und das bei sinkenden Kosten. Zudem werden immer größere Datenmengen generiert und bilden die Grundlage für maschinelles Lernen. „KI kommt näher und die Lage ist unübersichtlich“, eröffnet Dr. Manuela Lenzen die Diskussion. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld und Autorin von „Künstliche Intelligenz: Was sie kann & was uns erwartet“ fragt: „Gewinnen oder verlieren wir Arbeitsplätze durch den technologischen Fortschritt?“

Mit menschlicher Einzigartigkeit punkten

„Routinearbeit werde nach und nach besser von Maschinen erledigt“, ist Professor Dennis J. Snower vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel überzeugt. „Da kommt eine große Veränderung auf uns zu.“ Deshalb müssten wir eine Arbeitswelt gestalten, in der wir nicht von Maschinen ersetzt werden, sondern komplementär agieren können. „Kooperation und Innovationsfähigkeit, überhaupt zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Fähigkeiten, können Roboter nicht nachahmen!“

KI kann nicht denken. Sie ist ein Werkzeug

Bleibt die Frage, wie viel Zeit uns zum aktiven Gestalten bleibt. Professorin Susanne Biundo-Stephan vom Institut für Künstliche Intelligenz an der Universität Ulm sieht keinen unmittelbaren und vor allem keinen umfassenden Umbruch voraus. Sie spricht vielmehr von einem Hype, der sich vor allem auf KI und hier speziell Deep Learning beschränke – also auf den Umgang mit sehr großen Datenmengen und einer darauf basierenden Mustererkennung, wie sie beispielsweise in der Medizin bei der Erkennung von Tumoren erfolgreich einsetzbar ist. „Es gibt Systeme, die auf einem bestimmten Gebiet hervorragend sind, aber es gibt keine Systeme, die universell intelligent und somit als Konkurrenz zum Menschen gesehen werden können.“ Dem stimmt auch Professor Michael Pauen von der Humboldt Universität Berlin, Institut für Philosophie, zu: „KI – also Algorithmen – können nicht denken. Sie sind bloße Werkzeuge.“

Fußballspielende Roboter machen Spaß

Roboter und KI werden uns also nicht komplett ersetzen, sind sich die Experten einig, aber sie werden unsere Arbeitswelt verändern. Wann das geschehen werde, sei schwer vorherzusagen. Vielleicht hilft ein Blick auf fußballspielende Roboter. Diese zu beobachten ist sehr unterhaltsam – eine echte Gefahr für Toni Kroos oder Manuel Neuer ist jedoch nicht erkennbar.
ys/kk

Hamburger Horizonte

Die jährlich stattfindende Konferenz Hamburger Horizonte bringt hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Experten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und dem Hamburger Publikum zusammen. Ziel ist der offene Austausch über Themen, an deren wissenschaftlicher Bearbeitung die Gesellschaft ein besonderes Interesse hat. Die Konferenzreihe findet in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften, der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, der Universität Hamburg und der Körber-Stiftung statt. Die erste Veranstaltung in diesem Format 2017 war zugleich die Auftaktkonferenz zur Gründung des Hamburg Institute for Advanced Study (HIAS)
Weitere Informationen: www.hamburger-horizonte.de

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